Analyse zum AfD-Parteitag: Weidel und Höcke stärken ihre Macht

Parteitag der AfD: Spannungen hinter der Kulisse

Der Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Erfurt sollte vor den bevorstehenden Landtagswahlen ein Zeichen der Geschlossenheit setzen. Doch hinter den Kulissen brodelt es. Sowohl Alice Weidel als auch Tino Chrupalla nutzen ihre Netzwerke, um ihre Macht innerhalb der Partei zu festigen. Am Ende des Parteitags betonen Weidel und Chrupalla erneut ihre Vision für die AfD. Weidel tritt auf die Bühne und erklärt: „Wir wollen Verantwortung für dieses Land, das wir so sehr lieben.“ Die Delegierten erheben sich und schwenken ihre Deutschlandfahnen. Chrupalla fügt hinzu, dass die AfD endlich Regierungsverantwortung übernehmen müsse, warnt jedoch davor, Versprechen abzugeben, die nicht gehalten werden können. Diese Botschaft richtet sich insbesondere an die Landesverbände, die bald möglicherweise regieren werden, wie Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Weidels Triumph

Bei der Wahl der Bundessprecher erhält Alice Weidel mit 81 Prozent der Stimmen eine deutliche Mehrheit, während Chrupalla nur 70 Prozent erreicht. Chrupalla erklärt im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio, dass er intern auch unangenehme Themen angesprochen habe, was sich auf die sogenannte Verwandtschaftsaffäre beziehen dürfte. Mehrere AfD-Abgeordnete hatten enge Verwandte oder Partner in wichtigen Positionen beschäftigt. In einer ARD-Sendung äußerte Chrupalla, dass diese Angelegenheit ein „Geschmäckle“ habe, und blieb mit dieser Selbstkritik weitgehend allein. Insbesondere im Landesverband Sachsen-Anhalt könnte dies für Unmut gesorgt haben. Einige sehen das Wahlergebnis als ersten Schritt in Richtung einer Einzelspitze, also Weidel ohne Chrupalla. Weidel wies jedoch in einem ARD-Bericht vom Parteitag darauf hin, dass Personaldebatten keine Rolle spielten und man den Wählern und Deutschland verpflichtet sei.

Das Münzenmaier-Netzwerk und der neue Bundesvorstand

Sebastian Münzenmaier gilt als einer der einflussreichsten Akteure in der AfD. Mit Hilfe seines Netzwerks hat er die Dramaturgie des Parteitags entscheidend mitgestaltet. Münzenmaier, der als jung, freundlich und radikal gilt, hat die Mehrheiten für Weidel organisiert und ihre Wunschkandidaten im Bundesvorstand durchgesetzt. Das Ergebnis ist ein neuer, jüngerer Bundesvorstand, der nach den Vorstellungen der Parteichefin gestaltet wurde. Alle Kampfkandidaturen endeten zugunsten Weidels. Unter den neuen Vorstandsmitgliedern befindet sich Sven Tritschler aus Nordrhein-Westfalen, der sich gegen das langjährige Vorstandsmitglied Kay Gottschalk durchgesetzt hat. Bei seiner Bewerbung gab Tritschler an, Jura studiert, aber keinen Abschluss gemacht zu haben. Auch der Brandenburger Hannes Gnauck, der von Münzenmaiers Netzwerk als Schatzmeister vorgeschlagen wurde, setzte sich nach mehreren Wahlgängen knapp durch.

Breiter Protest gegen den Parteitag

Zehntausende Menschen demonstrieren in Erfurt gegen die AfD und ihren Parteitag. Die Polizei spricht von 31.000 Teilnehmern, während die Veranstalter von bis zu 50.000 sprechen. Unter den Demonstrierenden ist auch Dennis Baum, ein Nachfahre der jüdischen Familie, die das DDR-Kultmoped Simson herstellte. Baum ist extra aus New York angereist, um die Proteste zu unterstützen. Die Demonstrationen verlaufen größtenteils friedlich, jedoch gibt es kleinere Auseinandersetzungen mit der Polizei. Drei Reporter von Apollo News werden angegriffen und verletzt. In der Abschluss-Pressekonferenz kritisiert Weidel die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und behauptet, die Demonstranten seien als zu friedlich dargestellt worden.

Demonstranten gegen Höcke

Viele der Demonstrierenden äußern sich kritisch über Björn Höcke, den Landesvorsitzenden der AfD Thüringen. Auf Plakaten ist zu lesen: „Höcke ist ein Nazi.“ In seiner Rede am ersten Tag bezweifelt Höcke die geistige Gesundheit der Demonstrierenden und bezeichnet sie als „seelenverwundet“. Er betont, dass es eine Aufgabe der AfD sei, „Normalität herzustellen und zu heilen“, erklärt jedoch nicht, was er genau damit meint.

Höcke weitet seinen Einfluss aus

Bereits Wochen vor dem Parteitag hatte Höckes Vertrauter Stefan Möller seine Ambitionen auf einen Platz im Bundesvorstand geäußert. Möller betont, dass er unabhängig von Höcke denke. Bei der Wahl erhält er 75 Prozent der Stimmen, was in Anbetracht früherer kritischer Haltungen vieler AfD-Mitglieder zu Höcke und seinem „Thüringer Weg“ bemerkenswert ist. Auch die bayerische Kathrin Ebner-Steiner tritt überraschend an und ersetzt das bisherige Vorstandsmitglied Peter Boehringer. Ob Ebner-Steiner die Aufgaben von Boehringer übernehmen wird, bleibt abzuwarten. Mit diesen zwei neuen stellvertretenden Sprechern kann Höcke seinen Einfluss im Bundesvorstand erheblich ausbauen.

Keine Debatte über die “Unvereinbarkeitsliste”

Ein Antrag, der von Höcke unterstützt wurde, sah eine Diskussion über die sogenannte Unvereinbarkeitsliste vor, die festlegt, dass Personen, die in extremistischen Organisationen wie der Identitären Bewegung oder der NPD aktiv waren, nicht in die AfD aufgenommen werden dürfen. Diese Diskussion fand jedoch nicht statt, der Antrag wurde von der Tagesordnung genommen. Eine Kommission soll sich im kommenden Jahr mit dieser Frage beschäftigen. Die Empfehlungen, die die Kommission abgeben wird, könnten weitreichende Folgen haben.

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